Fernsehen: Verbot für heimliche Aufnahmen

Sonntag 21 Februar 2010

Im deutschen Fernsehen ist ein deutlicher Trend zum journalistischen Handwerkszeug „versteckte Kamera“ zu verzeichnen. Immer häufiger bleibt das Bild verpixelt oder Interviewpartner unerkannt. Oft jedoch ohne erkennbaren journalistischen Grund. Das Düsseldorfer Landgericht hatte in einer Einzelfallentscheidung geurteilt, das bestimmte heimliche Aufnahmen des Fernsehsenders RTL nicht erneut ausgestrahlt werden dürfen. Der Grund: Die mit versteckter Kamera gedrehten Szenen griffen in die Persönlichkeitsrechte eines hier betroffenen Arztes ein. RTL ist dagegen inzwischen erfolgreich beim Oberlandesgericht in die Berufung gegangen. Der Rechtsstreit ist beendet, wenn der Arzt keine Hauptsache-Klage einreicht.


Quelle: RTL (Moderatorin Birgit Schrowange, Sendung „Extra“)
Der Sender RTL habe das Einverständnis des Arztes nicht eingeholt und in der Folge gegen dessen Rechte am eigenen Bild und Wort verstoßen

Konkret ging es um einen Beitrag im RTL-Magazin „Extra“, das in einem Beitrag zeigen wollte, wie leicht Patienten bei Ärzten stark abhängig machende Medikamente bekommen. Der Kläger hatte Mitte vergangenen Jahres nach der Ausstrahlung eine einstweilige Verfügung erwirkt. Dagegen hatte RTL Widerspruch eingelegt und sich dabei auf die Pressefreiheit berufen. Ursprünglich hatte das Düsseldorfer Landgericht bestätigt, dass die Heimlichkeit der Berichterstattung nicht gerechtfertigt gewesen sei und der Sender andere Möglichkeiten gehabt hätte, das Thema journalistisch darzustellen. Das Oberlandesgericht hat diese Entscheidung gekippt.

In den Bereichen Politik und Wirtschaft – wo die verdeckte Recherche ein unverzichtbarer Teil investigativen Journalismus sein kann – scheint die versteckte Kamera vergleichsweise immer seltener zum Einsatz zu kommen.


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