Druck in deutschen Redaktionen gewachsen

Dienstag 18 August 2009

Mehr als die Hälfte der Journalisten arbeitet heute länger als noch vor einigen Jahren und hat dabei weniger Zeit für die Recherche. So lautet eines der Ergebnisse einer Studie der Universität Münster, die das Medienmagazin „journalist“ exklusiv in seiner August-Ausgabe vorgestellt hat.

Zugenommen habe vor allem der Zeitaufwand für Konferenzen. 41 Prozent der 327 befragten Journalisten geben an, heute mehr Zeit in Kommunikation und Koordination stecken zu müssen. Fast die Hälfte sieht darin einen Verlust für die Qualität der journalistischen Arbeit. Bezogen auf die 15 untersuchten Nachrichtenredaktionen der Studie sind es die Fernsehjournalisten, die die meiste Zeit in Konferenzen verbringen – 13 Prozent ihres Arbeitstags.

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Quelle: becksulli / Pixelio
Ein Viertel der Befragten beklagt, dass das Gegenlesen an Stellenwert verloren habe, ein Drittel findet, dass weniger Zeit in die Gegenrecherche gesteckt werde.

Der wirtschaftliche Druck auf die Medienunternehmen wirkt sich nach Ansicht der Redaktionen konkret auf die journalistische Arbeit aus. Fast die Hälfte der Journalisten meint, dass es immer wichtiger wird, den Werbekunden ein passendes redaktionelles Umfeld zu liefern. Außerdem müssten aufgrund des Erfolgsdrucks unpopuläre, komplexe Themen oft leicht konsumierbaren weichen. Gut ein Drittel der Befragten gibt an, heute seine eigenen Interessen weniger in die Berichterstattung einzubringen als früher.


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